Vertriebsstrategie entwickeln: ein Beispiel aus der Lohnfertigung
Eine Vertriebsstrategie legt für Ihren Industriebetrieb fünf Dinge fest: welche Firmen Sie als Kunden gewinnen wollen, in welcher Region, über welche Personen in Technik, Einkauf und Geschäftsführung, mit welcher Botschaft je Person und an welcher Kennzahl Sie den Erfolg messen. Grundlage sind Ihre Referenzen und Ihr Fertigungsprofil. Diese Seite zeigt die fünf Schritte am Beispiel eines CNC-Lohnfertigers, mit echten Messwerten zur Region, und überträgt sie auf den Maschinenbau.
Warum Vertriebsstrategien von der Stange in der Industrie nicht funktionieren
Gängige Vorlagen für eine Vertriebsstrategie denken in Zielgruppen nach Branche und Firmengröße, in Kanälen und Werbebudgets. Ein Lohnfertiger oder Maschinenbauer verkauft aber keine Lizenz. Er verkauft Fertigungskapazität, Know-how und Liefertreue. Ob eine Firma als Kunde passt, entscheiden Verfahren, Werkstoffe, Toleranzen und Losgrößen. Der Branchencode im Handelsregister sagt darüber wenig.
Dazu kommt der Einkaufsweg. In der Industrie entscheidet selten eine Person allein. Die Konstruktion legt fest, was gebraucht wird. Der Einkauf vergleicht Lieferanten und pflegt die Lieferantenliste. Die Geschäftsführung gibt größere Projekte frei. Eine Strategie mit nur einer Zielperson erreicht einen Teil dieser Entscheidung, oft nicht den Teil, der den Bedarf zuerst sieht.
Ungenaue Ansprache kostet außerdem Vertrauen. Laut einer Gartner-Befragung von 2024 meiden 73 Prozent der B2B-Einkäufer aktiv Lieferanten mit irrelevanter Ansprache. Bietet Ihr Betrieb einem Einkäufer Teile an, die seine Firma gar nicht zukauft, ist die Mail also nicht einfach verloren. Ihr Betrieb kann bei genau dieser Firma auf der Liste landen, die der Einkauf künftig meidet.
Auch sorgfältig geschriebene Texte sind davor nicht sicher. Als wir eine unserer eigenen Ansprachen gegen die echten Empfänger geprüft haben, stimmte ein einzelner Satz nur bei 10 von 18 Firmen, für die er gedacht war. Eine Strategie muss deshalb so genau sein, dass jeder Satz auf jeden Empfänger passt. Besonders teuer ist das, wenn wenige Kunden Ihre Auslastung tragen. Mehr dazu im Beitrag Abhängigkeit von Bestandskunden reduzieren.
- Ihre Zielgruppe ist als Branche beschrieben, nicht als Fertigungsprofil.
- Je Zielfirma gibt es nur einen Ansprechpartner, meist die Geschäftsführung.
- Alle Empfänger bekommen dieselbe Botschaft, egal ob Konstrukteur oder Einkäufer.
- Gemessen werden versendete Mails oder Öffnungen, nicht passende Anfragen.
So entwickeln Sie eine Vertriebsstrategie: fünf Schritte am Beispiel
Schritt 1: Fertigungsprofil und Zielfirmen. Ausgangspunkt sind Ihre Referenzen. Welche Teile fertigen Sie heute für wen, welche Verfahren, Werkstoffe und Losgrößen laufen bei Ihnen wirtschaftlich, welche Toleranzen halten Sie sicher? Zur Veranschaulichung eine Annahme: Ein Lohnfertiger dreht und fräst Teile aus Stahl, Edelstahl und Aluminium in Losgrößen von 50 bis 2.000 Stück. Seine Zielfirmen sind Betriebe, die genau solche Teile zukaufen statt selbst zu fertigen, etwa Maschinenbauer mit geringer eigener Fertigungstiefe.
Schritt 2: Region. Die folgenden Zahlen sind gemessen, nicht angenommen. Bei einem unserer Kunden, einem CNC-Lohnfertiger, haben wir 4.829 Firmen in Deutschland angeschrieben. Aus dem Süden (Postleitzahlen 6 bis 9) kamen 5,2 passende Anfragen je 1.000 angeschriebene Firmen, aus dem Rest Deutschlands 1,2. Absolut sind das 12 gegen 3 Anfragen, also kleine Zahlen. Der Süden lag aber in jedem Monat vorn. Die Region gehört deshalb schon in die Auswahl der Zielfirmen.
Schritt 3: Rollen. Bei jeder Zielfirma finden Sie die Personen namentlich heraus: die Konstruktion oder technische Leitung, die den Bedarf sieht, den Einkauf, der Lieferanten vergleicht, und die Geschäftsführung, die freigibt. Für den Lohnfertiger im Beispiel kann bei einem Maschinenbauer die Fertigungsleitung der erste Kontakt sein, weil sie über Eigenfertigung oder Zukauf mitentscheidet. Wen Sie zuerst ansprechen, legt die Strategie je Zielfirma fest.
Schritt 4: Botschaft je Rolle. Die Konstruktion will sehen, dass Sie ihre Werkstoffe und Toleranzen beherrschen, am besten an einem vergleichbaren Teil. Der Einkauf fragt nach Liefertreue, Zertifizierung und danach, ob Sie auf die Lieferantenliste passen. Die Geschäftsführung will wissen, ob ein neuer Lieferant das Risiko senkt oder erhöht. Der Weg ist bei uns eine persönliche Mail, auf Wunsch mit einem kurzen Video, in dem Sie selbst Ihren Betrieb zeigen. Wie Sie die einzelnen Rollen erreichen, lesen Sie im Beitrag Technische Entscheider erreichen.
Schritt 5: Messung und Nachsteuerung. Gezählt werden passende Anfragen je 1.000 angeschriebene Firmen, getrennt nach Region, Zielgruppe und Rolle. Erst diese Trennung zeigt, wo die Strategie trägt. In einem Gesamtdurchschnitt wäre der Unterschied zwischen Süden und Rest im Beispiel untergegangen. Nachgesteuert wird Monat für Monat: Zielgruppen und Regionen mit stabilem Ergebnis bekommen mehr Zielfirmen, schwache werden geprüft, geändert oder gestrichen.
- Ein Fertigungsprofil aus Verfahren, Materialien, Toleranzen und Losgrößen, abgeleitet aus Ihren Referenzen.
- Eine recherchierte Liste der Zielfirmen, mit der Region als eigenem Kriterium.
- Die Entscheider je Zielfirma namentlich, in Technik, Einkauf und Geschäftsführung.
- Eine Botschaft je Rolle, mit einer passenden Referenz statt allgemeiner Versprechen.
- Eine Kennzahl: passende Anfragen je 1.000 angeschriebene Firmen, getrennt nach Region und Zielgruppe.
Die Bausteine einer Vertriebsstrategie im Überblick
Die Tabelle fasst die Bausteine zusammen. Die Spalte zum Lohnfertiger zeigt, wie jeder Baustein im Beispiel aussieht. Gemessen ist nur die Region, alles andere ist als Beispiel zu lesen.
| Baustein | Leitfrage | Beispiel Lohnfertiger | Woran Sie es messen |
|---|---|---|---|
| Zielfirmen | Welche Firmen kaufen zu, was Sie am besten fertigen? | Annahme: Firmen, die Dreh- und Frästeile aus Stahl, Edelstahl und Aluminium in Losen von 50 bis 2.000 Stück zukaufen | Anteil passender Anfragen an allen Antworten |
| Region | Wo sitzen die Zielfirmen, und wo antworten sie häufiger? | Postleitzahlen 6 bis 9 gegen den Rest Deutschlands, bei 4.829 angeschriebenen Firmen | Passende Anfragen je 1.000 Firmen je Region: 5,2 im Süden, 1,2 im Rest |
| Rollen | Wer sieht den Bedarf, wer vergleicht, wer gibt frei? | Fertigungsleitung oder Konstruktion, Einkauf und Geschäftsführung, namentlich recherchiert | Welche Rolle antwortet und aus welcher Rolle die Anfrage kommt |
| Botschaft | Was muss jede Rolle lesen, um zu antworten? | Für die Konstruktion ein vergleichbares Teil, für den Einkauf Liefertreue und Zertifizierung | Antworten je Rolle, dazu die Prüfung, ob jede Aussage zur Firma passt |
| Messung und Nachsteuerung | Woran erkennen Sie, was trägt und was nicht? | Monatlicher Vergleich je Region und Zielgruppe, gezählt wird nur ein Unterschied, der jeden Monat auftritt | Passende Anfragen je 1.000 angeschriebene Firmen, nicht versendete Mails |
Die Fallzahlen im Beispiel sind klein, 12 gegen 3 Anfragen. Sie sind ein Hinweis, kein Gesetz, und gelten für diesen einen Lohnfertiger. Für Ihren Betrieb muss die Messung neu laufen.
Eine Vertriebsstrategie ersetzt weder eine gute Fertigung noch einen Vertrieb, der die Gespräche führt. Sie sorgt dafür, dass die richtigen Firmen von Ihrem Betrieb erfahren.
Häufige Fragen
Was gehört in eine Vertriebsstrategie für Industriebetriebe?
Wie sieht eine Vertriebsstrategie im Maschinenbau aus?
Warum reicht es nicht, Zielfirmen nach Branche auszuwählen?
Welche Kennzahl zeigt, ob die Vertriebsstrategie funktioniert?
Kann ich eine Vertriebsstrategie selbst entwickeln?
Mit wem arbeiten Sie schon zusammen?
Entwickeln Sie die Vertriebsstrategie für Ihren Betrieb
Im ersten Gespräch schauen wir uns Ihre Referenzen und Ihr Fertigungsprofil an und klären, welche Zielfirmen, Regionen und Rollen für Ihren Betrieb in Frage kommen. Wenn der Markt dafür zu klein ist, sagen wir das offen.